Wien - Einführung

Wien ist anders

Um diese Feststellung kommt kein Tourist und kein Einheimer herum, der sich für kurze oder lange Zeit in Wien aufhält. Diese Aussage trifft aber nicht nur auf die Lebenskultur, das jahrhundertelange Multikulti (noch vor der Römerzeit!) und den überbordenden Autoverkehr zu, sondern auch auf die Besonderheiten im Wettergeschehen.

vienna-small

Die Luftbildaufnahme ist vom Wiener Süden aufgenommen und zeigt bis auf den Südwesten (Liesing bis Lainzer Tiergarten) und äußersten Südosten (Zentralfriedhof bis Lobau) weite Teile Wiens.

Klimatologische Fakten:

Die Klimastationen Hohe Warte und Mariabrunn decken den Westen und Nordwesten ab, die Innere Stadt (Karlsplatz) das Zentrum und Unterlaa den äußersten Süden. Zur Ergänzung werden Groß Enzersdorf am östlichen Stadtrand und Schwechat im Südosten (beide außerhalb Wiens) hinzugezogen. Die Angaben beziehen sich auf den Durchschnitt von 1971-2000 (Quelle: ZAMG)

Legende: TT = Temperatur, T = Tage, Häufigste und zweithäufigste Windrichtung in Prozent

Station Höhe TT T-Frost T-Eis T>25°C T>30°C RR T>1 cm T-Gewitter Wind T >5 h Sonne
Hohe Warte 202 10.2 66 21 56 11 620.3 68 29 28.5 W,

17.4 NW
167
Mariabrunn 226 9.2 94 22 54 10 741.5 90 20 28.3 W,

19.5 NW
-
City 171 11.4 50 18 67 17 547.9 - - 25.9 W,

22.7 NW
175
Unterlaa 200 9.9 77 21 58 13 514.5 48 12 23.2 NW,

19.4 W
179
Groß Enzersdorf 153 9,8 77 22 59 12 520.0 28 16 19.9 NW,

17.3 SO,
166
Schwechat 184 9.8 83 23 57 12 533.0 30 25 21.5 NW,

20.4 SO
-

 

Windphänomene in Wien:

vortex vindobonensis: Der "Wiener Wirbel" manifestiert sich als abgeschlossenes Bodentief bei Südföhnströmung und als nicht abgeschlossenes Bodentief bei Westföhnströmung über Gutensteiner Alpen und Wienerwald. Er sorgt für südliche und östliche Winde in den südöstlichen Bezirken und westliche und nördliche Winde in den nordwestlichen Bezirken. Besonders im Winterhalbjahr ist der Wirbel gelegentlich mit großen horizontalen Temperaturunterschieden sowie markanten Nebel- oder Hochnebelgrenzen verbunden, die mitten durch die Stadt verlaufen.

Puszawinde: Die "Puszta" bezeichnet eine baumlose Landschaft, die weite Teile Ungarns und des Nordburgenlands bedeckt. Im Sommer sorgen von dort stammende Winde für trocken-heiße Luftmassenzufuhr. Die Sicht ist häufig durch trockenen (Industrie-)Dunst eingeschränkt, die Luft staubig und das Durstgefühl hoch. Pusztawinde wehen meist mit mäßiger Intensität, bei starken Südföhnlagen durchaus auch kräftig.

Krowotenwinde: Das Pendant dazu im Winter stellt der kalte, feuchte Südostwind (benannt nach den Kroaten, ugs. Krowoten) dar, der auf den sanften Hügeln des Weinviertels und am Alpenostrand aufgleitet. Die damit verbundene Hebung erzeugt großflächige Kondensation und Hochnebelbildung. Je stärker die südöstliche Anströmung, desto hartnäckiger der Hochnebel. Starker Südostwind mit Windspitzen über 50 km/h bei gleichzeitiger Hochnebeldecke sind im Wiener Becken kein Widerspruch.

Westföhn über dem Wienerwald ist für die beste Fernsicht verantwortlich, die vom Schneeberg und Wechsel bis zu den Kleinen Karpaten reicht. Zudem erreicht Westföhn die höchsten Windgeschwindigkeiten in den westlichen und südlichen Bezirken Wiens, höher noch als bei Nordwestwind. Auch Temperaturrekorde sind durchaus auf Westföhn zurückzuführen, er ist nebenbei auch der Erzeuger der schönsten Föhnwolken (Ac len).

Südföhn tritt wesentlicher seltener aus und erfasst oft nur die südlichen Bezirke. Sowohl Windböen als auch Erwärmung halten sich relativ in Grenzen, zumal der vortex vindobonensis durch die Nordwinde dagegen hält.

Druckwellen sind die häufigste Form der Winddrehung von südlichen auf westliche Windrichtungen. Sie entstehen durch Niederschlags- und Gewitterbildung über Südostbayern und dem oberösterreichen Zentralraum. Die dabei erzeugte Verdunstungskälte beschleunigt den synoptisch-skaligen Westwind. Die höchsten Windgeschwindigkeiten werden dabei zwischen der Wachau und Wien erreicht. Im Sommer eilen Druckwellen oft den Gewitterlinien viele Kilometer weit voraus und beeinflussen die Gewitterwahrscheinlichkeit in Wien selbst.

Neben den Windphänomenen existieren auch Niederschlagsphänomene wie der "Waldviertelexpress" oder Drifteffekte über den Wienerwald. Wien ist vorhersagetechnisch eine ähnliche Herausforderung wie die Alpenhauptstadt Innsbruck. Am Alpenostrand gelegen interagieren mesoskalige Prozesse (alpines Pumpen, Umlenkung, Föhn) mit synoptisch-skalischen Prozessen.

In den Subsektionen möchte ich auf meteorologische Prozesse, vor allem aber auf nennenswerte Gewitterereignisse näher eingehen. Etwas Offtopic ist auch dabei mit Informationen zu den Bezirken Wiens und deren Geschichte sowie Sehenswürdigkeiten.

DruckenE-Mail