Schadstoffe in stabiler Luftschichtung

Was auf den Bergen viel Sonne und maximale Fernsicht (an jenem Tag: bis zum Dachstein, was 145 km Sicht entspricht) verspricht, bedeutet für die Niederungen oft zähen Nebel oder Hochnebel - abhängig von der Nebeluntergrenze. Besonders betroffen sind bei Föhnlage (Bild unten) die südlichen und östlichen Beckenlagen, bei gradientschwacher Wetterlage auch das Alpenvorland und der westliche Donauraum.

Webcam Grandsberg Acherkogel 2012-10-17 1850 beschriftet

Quelle: http://www.foto-webcam.eu/webcam/grandsberg/

Die Radiosondenaufstiege vom 20.Oktober 2012:

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Die Radiosondenaufstiege zeigen jeweils eine markante Absinkinversion bis auf 1500 m herab. In Graz ist die Inversion noch ausgeprägter (14 Kelvin Temperaturanstieg!), hier ist der Feuchtegradient bodennah stärker ausgeprägt. Auffallend zudem die annähernd trockenadiabatischen Schichten in der mittleren Atmosphäre. Tags zuvor wurde die trocken-warme Höhenluft bis in die Niederungen Westösterreichs, die oberhalb der Inversion lagen, herabgemischt. (Reutte, 870m: +27,1°C).

Welchen Einfluss derartige Inversion auf die Entwicklung von Rauchschwaden haben, sieht man an den folgenden Aufnahmen gut. Die Ursache für die Feuer auf den Bergen war vermutlich das Abbrennen von Latschenkiefernfeldern zwecks Vergrößerung der Almwiesen (Nutztierweiden). Gewöhnlich macht diesem der Höhenwind einen Strich durch die Rechnung - er wehte an diesem Tag aber nur schwach.

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Das Foto zeigt Rauchentwicklung in den nördlichen Ausläufern der Hochschwab-Gruppe. Der Rauch steigt zunächst senkrecht auf, um dann mit der synoptisch-skaligen Strömung ostwärts abgetrieben zu werden. An der Sperrschicht bildet sich trockener Dunst aus, der zur erheblichen Sichtminderung führt. Der Ebenstein (2123m, Bildmitte) schaut nur knapp darüber, aber das Hochschwabmassiv deutlicher. Die Perspektiv-Verzerrung suggeriert eine höhere Inversion als es der Fall ist.

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Noch krasser ist das Bild an der benachbarten Wildalpe (1523m): Der Rauch steigt nur kurz auf, strömt dann über den Gipfelkamm mit den Sendemasten und steigt auf der gegenüberliegenden Hangseite wieder hinab. Auch die Rauchschwaden in der Ferne verharrten ortsfest und sorgten sicherlich für "dicke Luft" in den angrenzenden Tälern.

Zur besseren Veranschaulichung noch ein Video hierzu:

Das 90-sekündige Video ist vom Gipfelplateau des Göllers aufgenommen und reicht vom Hochschwab, Gesäuse, Dachstein, Totes Gebirge bis zum Dürrenstein (ganz rechts, Minute 0:58).

Hält so eine Wetterlage nun tagelang an, so unterbindet die Inversion über längere Zeit den vertikalen Luftaustausch, sodass sich Schadstoffe in Bodennähe anreichern können, insbesondere Industrie- und Autoabgase. Dies ist besonders bei Hochdrucklagen im Herbst und Winter der Fall, wenn der Sonnenstand zu niedrig ist, um für vertikale Durchmischung zu sorgen. Einzig mit Tiefdruckeinfluss und aufkommendem Wind (= vertikale Durchmischung) kann die Inversion dann beseitigt werden. 

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