Klimawandel und Wetterphänomene

  • der globalen Temperatur und des in der Luft enthaltenen Wasserdampfs
  • des Kohlendioxid- und Methangehalts
  • des Meeresspiegels
  • der globalen Niederschlagsverteilung

Der Klimawandel hängt von zahlreichen Faktoren ab:

  • ozeanische Strömungen (z.B. Golfstrom, Humboldtstrom) und Zyklen (z.B. El Nino und La Nina)
  • extraterrestrische Einflüsse (z.B. Sonnenfleckenzyklus)
  • geologische Einflüsse (z.B. Vulkanausbruch)
  • menschliches Zutun (Landnutzung, Kohlendioxidausstoß, Aerosolzunahme)

Die äußeren Einflüsse verändern die vertikale Stabilität der Atmosphäre bis in die Stratosphäre hinein, und das hat wiederum Einfluss auf die planetaren Wellen und Großwetterlagen. In Summe ist die Verzahnung der verschiedenen Faktoren derart komplex, dass man als Mensch ohne Klimamodelle kaum Aussagen treffen kann, was sich durch den Klimawandel ändert. Auch bei Modellen gilt:

Ein Modell ist nur so gut wie die Anahme, auf dem es beruht.

Tücken der Beobachtungen

Unsere Annahmen sind je nach Faktor äußerst lückenhaft. Während die Veränderung des Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre dank Bohrkernen in den Polarregionen bzw. in Gletschern bis in die Hunderttausende von Jahren nachweisbar ist, kann man Tornados nur bis in wenige hundert Jahre zurückverfolgen. Eine lückenlose Datenbank ist selbst heute noch schwierig. Hier überlagert der Effekt der besseren Beobachtung und Meldung jenen einer möglichen Zunahme durch den Klimawandel. Hätte man vor 200 Jahren schon Handykameras und Internet gehabt, würde die Datenbank heute wesentlich lückenloser aufscheinen. Je weiter man zurückgeht, desto seltener werden umfangreiche Aufzeichnungen - zumal mit Mangel an Beweisbildern und/oder eindeutigen Beschreibungen immer ein Restrisiko bleibt, ob es in Wirklichkeit eine Sturmböe war, und nicht ein Tornado.

Unabhängig vom betrachteten Phänomen - Dürre, Überschwemmungen, Föhn, Gletscherrückgang, Tornados, Hurrikans, Gewitter, Hagel, Winterstürme, extreme Hitze- und Kältewellen - darf die Argumentation nie lauten:

Das hängt alles mit dem Klimawandel zusammen.

sondern eher etwa so:

Das hängt mit der Häufigkeit der Wetterlage XY zusammen.

Wenn tatsächlich nachgewiesen ist - über einen klimatologisch signifikanten Zeitraum (z.B. 100 Jahre), der zudem gewisse periodische Zyklen überdeckt (bei Hurrikans sind evtl. 200-300 Jahre notwendig, um eine Veränderung zu entdecken) -, dass bestimmte Wetterlagen häufiger werden, dann kann man mit dem Klimawandel argumentieren.

Schließlich ist es unumgänglich, messgestützt zu argumentieren, da das Gedächtnis des Menschen selektiv ist: Ein Mensch lebt in der Regel nur einen Bruchteil einer klimatologisch signifikanten Periode, und erinnert sich nur an Extremereignisse. Die Normalität wird ausgeblendet, sodass der subjektive Eindruck erweckt wird, Extremereignisse nehmen zu. Darüberhinaus gibt es das "durchschnittliche" Wetter kaum, d.h., der Durchschnitt resultiert aus der Mittelung der Extreme.

Was ändert sich?

  • Unumstritten gehen die Gletscher in den Alpen, aber auch in anderen Regionen der Erde stark zurück - es sind Bilder wie dieses, die von diesem Vorgang ein unmissverständliches Zeugnis ablegen.
  • Die Vegetationsgrenze steigt: Auf der Innsbrucker Nordkette sind Gipfelstellen aufgrund Grasbewuchs heute mit Schafskot befleckt, vor 15 Jahren war das noch nicht bzw. in geringerem Ausmaß der Fall.
  • Das Arktiseis schrumpft, das zeigen Satellitenbilder. Im Sommer ist die Arktis immer häufiger eisfrei und im Jahr 2012 war die Ausdehnung des Meereises noch nie so gering seit Beginn der Aufzeichnungen
  • Zwischen 1902 und 2009 stieg der Meeresspiegel um 11 cm an, verursacht durch den Anstieg der Wassertemperatur und das Abschmelzen der Eismassen in den Polgebieten und auf dem Kontinent.
  • Permafrost taut auf, die Nullgradgrenze steigt an. 2012: Ortler (3905m) und Großvenediger (3666m) erstmals eisfrei (umfallende Gipfelkreuze)

Was bedeutet das für uns?

Hier muss man differenzieren.

Frage 1: Ist der Klimawandel existent? - ja.

Frage 2: Ist der Klimawandel bedrohlich für unsere Existenz? - jein

Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht Küstenregionen und Inseln, der Gletscherrückgang das Leben in den alpinen Regionen, die Erwärmung der Meere kann Tropenstürme und außertropische Tiefdruckgebiete verstärken, aber: Mehr Wasserdampf in der Atmosphäre kann auch Dürregebiete in blühende Landschaften verwandeln, die Anpassung an eine Klimaerwärmung ist für den wärmeliebenden Menschen leichter zu vollziehen als an eine Abkühlung. In Summe überwiegen jedoch die negativen Auswirkungen, die Schäden, bei weitem.

Frage 3: Ist der Mensch für den Klimawandel alleine verantwortlich? - nein

Der Mensch ist sicherlich beteiligt, er trägt durch die Verbrennung von Öl und Gas, durch die Industrieabgase zur Schadstoff- und Aerosolanreicherung bei, zudem sorgt die Landnutzung für eine Verringerung der Waldflächen, was die Albedo verändert, zumal es dann an Vegetation mangelt, die Kohlendioxid absorbiert.

Es kommen jedoch noch weitere Prozesse dazu, die nicht vollständig verstanden sind, erst recht nicht die komplexe Verzahnung. Die (Misse-)Taten des Menschens spielen jedoch mit Sicherheit eine gewichtige Rolle.

Frage 4: Wenn der Mensch nicht verantwortlich wäre, könnten wir dann so weitermachen wie bisher? - nein

Die für mich entscheidende Frage, deren Beantwortung man in der Politik vieler Länder auf der Erde sieht. Die USA sind für ein Viertel des weltweiten Kohlendioxidausstoßes verantwortlich, und weigern sich beharrlich, Klimaabkommen zur Verringerung des Schadstoffausstoßes beizutreten. Eine Naturkatastrophe wie Hurrikan SANDY (2012) musste die Menschen dort erst wachrütteln - ob dadurch ein Umdenken erfolgt, ist zweifelhaft.

Denn selbst, wenn wir den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel negieren, gehen unsere natürlichen Ressourcen langsam, aber unumkehrbar zur Neige. Regenwälder werden schneller abgeholzt als sie nachwachsen können, Tierarten verschwinden für immer, die Meere sind durch den Müll und Katastrophen wie Fukushima verschmutzt. Unabhängig vom Klimawandel ist der Mensch ein Schmutzfink für den Erdball, ein Umweltkiller.

Daher würde ich persönlich die Frage, ob der Mensch den Klimawandel beeinflusst, nicht an die Umweltpolitik koppeln.

Frage 5: Können wir uns leisten, den Planeten weiter auszubeuten und zu verschmutzen, selbst wenn wir das Klima nicht beeinflussen? - NEIN

Frage 6: Nehmen Extreme durch den Klimawandel zu? - jein

Die Beantwortung muss man differenzieren. Auf großen (räumlichen und zeitlichen) Skalen eher als auf kleinen - eine mögliche Kausalkette:

1. Durch den Temperatur- und Wasserdampfanstieg  nimmt die Energie zu, durch die Verringerung der horizontalen Temperaturgegensätze die Scherung ab.

2. Meridionale Wetterlagen treten häufiger als zonale Wetterlagen auf.

3. Die Erhaltungsneigung einer Großwetterlage nimmt zu.

4. Dürre- und Hochwasserperioden dauern länger.

5. Stürme sind seltener, aber heftiger.

In die kleineren Skalen fallen Hurrikane und Tornados - hier ist unser Beobachtungszeitraum zu gering und zu lückenhaft, um einen Einfluss festzustellen. Zwar suggeriert die Zunahme der Meerestemperatur und der Energie, dass Gewitter, Tornados und Hurrikane wenn nicht häufiger, dann zumindest heftiger ausfallen, doch gibt es dafür keine seriöse Statistik und wissenschaftliche Grundlage, die diese These untermauern kann.

Frage 7 - Wie hängen Klimawandel und die Temperatur auf meinem Thermometer zusammen?

Die verflixte 7 - es gibt keinen direkten Zusammenhang, denn eine vorhergesagte Erwärmung um 3 Grad bedeutet nicht zwangsläufig, dass ich in der Früh +10 Grad statt +7 Grad ablese. Der Klimawandel wirkt sich auf die Wetterlagenhäufigkeit aus. Bestimmte Wetterlagen treten seltener, andere häufiger auf. Es kann beispielsweise durch häufigere Südwestlagen im Winter viel öfters die +14 Grad Maximum geben als in hochdruck- und nebellastigen Winter davor - dann resultiert in Summe eine höhere Durchschnittstemperatur.

Auch wenn Temperaturrekorde häufiger werden, sind sie im Verhältnis zu den sonst herrschenden Temperaturverhältnissen selten, und positive wie negative Abweichungen mitteln sich (noch) heraus, wie etwa im Februar 2012, als auf zwei Wochen Kälte zwei Wochen überdurchschnittliche Wärme folgten.

Klimawandel (bzw. -erwärmung) bedeutet also nicht, dass es bei jeder Wetterlage wärmer ist als vorher - sondern, dass - bedingt durch die Wetterlagenhäufigkeit - wärmere Wetterlagen häufiger vorkommen.

Zu guter Letzt:

Ich bin kein Klimatologe und daher auch kein Klimaexperte. Der hier präsentierte Beitrag ist keineswegs dogmatisch zu verstehen, sondern gibt meinen Kenntniszustand und meine persönliche Überzeugung auf Basis dessen wieder, was ich selbst erlebe und worüber ich selbst gelesen habe. Ich bin daher nicht enttäuscht, wenn sich Dinge anders entwickeln, als ich hier geschrieben habe. Ich versichere aber, dass meine dargelegten Gedankengänge nicht dem Einfluss einer Lobby oder wirtschaftlichen Interessen unterliegen.

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