Sprache und Semantik

Warme Temperaturen

Der Ausdruck ist in zweierlei Hinsicht falsch:

1. Es gibt keine Mehrzahl von Temperatur, da die Temperatur eine physikalische Größe ist: Die Temperatur beträgt 5 Grad Celsius. Darum heißt es korrekt: "Die Temperatur liegt zwischen 5 und 10 Grad." Und nicht, da räumlich gemeint, "die Temperaturen liegen ..." 

2. Die Temperatur ist eine objektive Größe, sie kann nicht warm oder kalt sein, sondern nur hoch oder niedrig. Ob 5 Grad als mild oder kühl empfunden werden, ist subjektiv und zudem von der gefühlten Temperatur abhängig, die wiederum je nach Windeinfluss variiert. Physikalische und gefühlte Temperatur können erheblich voneinander abweichen.

Gewittrige Schauer

Physikalisch gesehen besteht zwischen einem Gewitter und einem gewittrigen Schauer kein Unterschied. Blitze gleichen Ladungstrennungen innerhalb der Gewitterwolke aus. Was Meteorologen häufig meinen: Ein gewittriger Schauer bringt weniger Blitze als ein ausgewachsenes Gewitter hervor, insbesondere in Zusammenhang mit einer Kaltfront oder vorlaufenden Konvergenzlinie. Gewittrige Schauer werden eher mit Rückseitenwetter assoziiert, das typische Aprilwetter. Zudem sollen gewittrige Schauer weniger heftige Begleiterscheinungen verursachen: kaum Hagel, kein Sturm, kein schadensträchtiger Starkregen. Und meist auch nur kurze Zeit andauern.

In der Praxis sehe ich zwei Probleme in der Begrifflichkeit:

1. Die Gewittergefahr wird verharmlost: Meteorologen schreiben/reden von gewittrigen Schauern, obwohl die Zutaten schwere Gewitter andeuten. Entweder geschieht das mit Absicht (Vorgabe, Wetterbericht zu verschönern, was besonders bei privaten Fernsehsendern und Gute-Laune-Radiosendern Alltag ist) oder aus Unwissenheit. Letzteres wirkt sich natürlich fatal aus, wenn Menschen den gewittrigen Schauer aus dem Keller pumpen dürfen.

2. Bei gewittrigen Schauern überwiegen die Wolken-Erde-Blitze (CG-lightning): Nun mag die Summe der CG-Blitze zwar niedriger als bei einem hochsommerlichen Gewitter in einer extrem energiereichen Luftmasse sein, aber nichtsdestotrotz stellen diese Blitze unmittelbare Lebensgefahr dar, egal ob man sich auf einem Ackerfeld, einer Wiese, in einem See oder in exponiertem Gelände (Gebirge) aufhält. Der Aufenthalt im Freien sollte auch bei der Prognose gewittriger Schauer wohldurchdacht sein, mit der Möglichkeit, rasch einen blitzschlaggeschützten Ort aufsuchen zu können.

Lebhafter bis kräftiger Wind

Die Beaufortskala bietet eine objektive Einteilung von Windgeschwindigkeiten, die von 1 bis 12 reicht und mit entsprechenden Attributen belegt ist:

Attribut Stärke v (km/h) v (m/s)
v (kn)
Windstille 0 0-1 0,0-0,3 0-1
leiser Zug 1 2-5 0,3-1,6 1-3
leichte Brise 2 6-11 1,6-3,3 4-7
schwach 3 12-19 3,4-5,4 8-10
mäßig 4 20-28 5,5-7,9 11-15
frisch 5 29-38 8,0-10,7 16-21
stark 6 39-49 10,8-13,8 22-27
steif 7 50-61 13,9-17,1 28-33
stürmisch 8 62-74 17,2-20,7 34-40
Sturm 9 75-88 20,8-24,4 41-47
schwerer Sturm 10 89-102 24,5-28,4 48-55
orkanartiger Sturm 11 103-117 28,5-32,6 56-63
Orkan 12 > 117 > 32,7 > 64

1949 wurde die Beaufortskala bis zur Stärke 17 erweitert, was aber mehr von akademischen Interesse ist, denn für den Alltag reichen 12 Windstärken völlig aus. Zudem existiert mit der Torro-Skala eine Schadensskala, mit der sich Windgeschwindigkeiten über 117 km/h durch charakteristische Schäden klassifizieren lassen.

Wichtig:

Die Beaufortskala bezieht sich auf einen zehnminütigen Mittelwert, die Spitzenböen können deutlich darüber liegen. Nun nimmt der Mensch im Allgemeinen Böen eher wahr als Mittelwinde, weshalb die im Fernsehen, Radio oder sonstwo die Angabe stark, stürmisch, usw. auf die Böen bezogen wird, nicht auf einen Mittelwert. Darüber besteht allerdings kein Grundkonsens, d.h. die Wetterdienste unterscheiden sich untereinander, jeder macht es anders. Besonders krass ist dabei der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich. 

In Österreich ist die Beaufortskala weitgehend unbekannt. Der Wind wird kategorisiert in mäßig - lebhaft - stark - kräftig - stürmisch. Dabei beziehen sich die Attribute aber keineswegs auf die Beaufortskala, sondern werden subjektiv verwendet.

Kräftiger bis stürmischer Wind wird beispielsweise ab stürmisch gebraucht, wobei stürmisch schon bis in den orkanartigen Sturm hineinreicht bzw. nach oben hin offen ist. Kräftig hingegen deckt je nach Region frisch bis steif ab.

Im Südburgenland werden Windgeschwindigkeiten von 30-40 km/h schon als kräftig empfunden, da es es sich um eine windarme Region handelt. Im Wiener Becken beschreibt man mit kräftig dagegen Windgeschwindigkeiten ab 70 km/h aufwärts, da diese relativ häufig vorkommen. Lebhaft beginnt ab etwa 40 km/h und reicht je nach Region bis rund 60 km/h. Mäßigen Wind würde man in Deutschland wohl mit frisch titulieren, während starker Wind wieder eine schwammige Spannweite von 40 bis 80 km/h zulässt, meist gebraucht in der Phrase "Lebhafter bis starker Wind."

Das Attribut frisch kommt nie vor, steif wird selbst in Deutschland - ausgenommen im Seewetterbericht - nicht verwendet. Schwere Sturmböen beziehen sich wiederum nicht auf die Beaufortskala, und auch orkanartige Sturmböen finden keine Verwendung. 

Das gestaltet die Windvorhersage - vorausgesetzt es werden keine Windgeschwindigkeiten angegeben wie etwa in Warntextren - einfach, da objektiv nicht verifizierbar und damit auch nicht kritisierbar. 

Als in Österreich lebender Deutscher ist das bisweilen befremdlich, allerdings wird die Beaufortskala, wenn überhaupt bekannt, meist nur mit dem Seewetter assoziiert ("frische Brise"), obwohl die Auswirkungen der Windstärken nicht nur auf die Wasseroberfläche, sondern auch auf die Vegetation beschrieben sind. Eine Objektivierung erscheint dann sinnvoll, wenn es um Versicherungsschäden geht (versichert ab 75 km/h ...) und wenn das Interesse besteht, nachzuvollziehen, wann wo wieviel Höhenwind herabgemischt werden kann.

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