Definition

1. Definition

Das Lexikon der 'American Meteorological Society' (AMS) definiert ein Gewitter folgendermaßen:

Im Allgemeinen ein örtlicher Schauer, der ausnahmslos von einer Cumulonimbuswolke erzeugt und immer von Blitz und Donner begleitet wird, gewöhnlich mit starken Böen, heftigem Regen und manchmal mit Hagel einhergehend.

1.1 Begriffe

In den Medien sind verschiedene Bezeichnungen für Gewitter gebräuchlich, die bisweilen missverständlich sein können.

Gewittrige Schauer

Häufig in der Mehrzahl gebräuchlich, etwa postfrontal im labil geschichteten Rückseitenbereich, und gemeint als Gewitter mit geringer Blitzfrequenz und keinen unwetterartigen Begleiterscheinungen.

Problem: Gewittrige Schauer produzieren überwiegend Erdblitze und stellen daher für Personen im Freien, insbesondere in exponiertem Gelände, eine erhöhte Gefahr dar, selbst wenn großer Hagel, Sturzfluten und Sturmböen unwahrscheinlich sind. Zudem ist nicht jede Gewitterlage, die in den Medien mit 'gewittrigen Schauern' beschrieben wird, tatsächlich als harmlos einzustufen. Wenn zwar die Energie gering ist, dafür die Windscherung groß, kann es sehr wohl kräftige Gewitter geben, etwa mit erhöhtem Sturm- und/oder Hagelrisiko. Aus diesem Grund werde ich auf meiner Website den Begriff 'gewittrige Schauer' nicht verwenden.

Wärmegewitter (auch: Luftmassengewitter)

Sie treten meist dann auf, wenn durch die starke tageszeitliche Einstrahlung die Auslösungstemperatur erreicht wird und sich isoliert stehende Gewitter bilden. Diese sind meist nur von kurzer Dauer (30-60min), jedoch oft ortsfest (in derselben Luftmasse) und daher anfällig für lokale Sturzfluten. Typischerweise erwartet man Wärmegewitter in den Sommermonaten bei Hochdrucklagen, wenn es generell sonnig ist und die Absinkinversion verbreitete Gewitterbildung unterdrückt. Begünstigt ist generell mäßig steil geneigtes Hügelland, bestenfalls konkav geformten Bergzügen (z.B. mehrere Seitentäler, die am Gipfel zusammenlaufen), wie man es in Österreich in den Fischbacher Alpen, im Wechsel sowie im Mühl- und oberen Waldviertel vorfindet. Das Gelände ist zudem oft bewaldet, sodass durch Niederschlag und Verdunstung erhöhte Feuchte gespeichert werden kann und aufwärts gerichtetete Luftströme diese Feuchtequelle anzapfen. Außerhalb Österreichs sind Südtirol, Bayerwald, Erzgebirge und Schwarzwald für Wärmegewitter prädestiniert.

Einschränkung: Chuck Doswell steht dem Begriff Luftmassengewitter als Unterscheidung zum Frontgewitter (s.u.) kritisch gegenüber, siehe Pet Peeves B.1. Luftmassengewitter suggeriere, das Gewitter entstehe irgendwo zufällig in einer einheitlichen Luftmasse. In den Augen Doswells entstehen Gewitter niemals zufällig - es ist vielmehr der Fall, dass wir nicht immer verstehen, warum sie gerade an diesem Ort zu finden sind. Auch bei Wärmegewittern hat man kleinräumige Konvergenzlinien (Feuchteflusskonvergenzen), nicht selten mit PVA-Schlieren einhergehend, bzw. Hebung durch Tal- und Seewindsysteme.

Frontgewitter

Frontgewitter treten selten an der Kaltfront auf, sondern vorlaufend dazu. Insofern ist die Bezeichnung nur phänomenologisch zutreffend, wenn sich Gewitter linienhaft organisieren. Im Sommerhalbjahr bildet sich typischerweise vor der Kaltfront eine Konvergenzlinie, die als Auslösungsort für Gewitter dient. Wenn die bodennahe Windscherung zunimmt, können die Gewitter zu einer Linie verschmelzen. Ist dies nicht der Fall, bleiben die Gewitter verstreut und ziehen im Extrem rechtwinklig zur voranschreitenden Kaltfront, die dann lediglich schauerartig verstärkten Regen bringt.

Gewittriger Starkregen

Hauptunterschied zu anderen Gewittern: Es handelt sich um flächigen Regen, der zwar gebietsweise schwächer ausfallen kann, aber nicht gänzlich aufhört, und sonstige Begleiterscheinungen wie Hagel/Sturm untergeordnet sind. Gelegentlich blitzt es aus dem Amboss, das ist typischer, gewittriger Starkregen. Beispiel: 8. August 2011: Über der Poebene und Friaul-Venezien entstehen bei starker Südwestströmung teils heftige Gewitter, die die ganze Bandbreite an Unwetter (sintflutartiger Regen, großer Hagel, Sturm, Tornados) beinhalten. Das notwendige Feuchteangebot liefert die warme Adria, die Hebung wird durch die Reibung bzw. die Südalpen verstärkt. Während Hagel und Sturm auf die italienische Seite beschränkt sind, bekommt Kärnten den Ambossregen ab. Wenn die Gewittertätigkeit über Italien immer wieder angefacht wird, hält der schauerartig verstärkte Regen in Kärnten an. Selbiges passiert, wenn ein großes Gewittersystem vom Tessin, Lombardei und Graubünden ostwärts zieht, und der Ambossregen Nordtirol erfasst. Auch Wien erfasste am 7. August, nachmittags, gewittrigen Starkregen, während es im südlichen Steinfeld bis zum Nordburgenland kräftige Gewitter waren, die zusätzlich kleinen Hagel und Sturmböen verursachten.

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